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»For Jean B.«

21.06. – 17.08.2014
Text zu Ausstellung von Stephan Koehler
text about the exhibition by Stephan Koehler (engl. please scroll down!)

„Ausführen, materialisieren, realisieren, produzieren: es scheint, als sei dies die ideale Bestimmung eines jeden Dings, nach einer zugleich vom Fortschritt und einer inneren Notwendigkeit bestimmten Bewegung vom Zustand des Möglichen zu dem des Realen überzugehen.“ *

Diese Ausstellung soll mögliche Verbindungen von J. Baudrillards Argumentation in “Die Intelligenz des Bösen” auf Phänomene und Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst offenlegen. In seinem 2006 durch Peter Engelmann im Passagenverlag Wien herausgegebenen Spätwerk führt Baudrillard einen neuen Status für die aktuelle anthropologische Entwicklung ein. Er nennt diesen Status „Integrale Realität“.

Neben dem Zitat am Anfang dieses Textes spezifiziert er „Integrale Realität“ noch ein zweites Mal:

„Als „Integrale Realität“ bezeichne ich die auf die Welt zielende Durchführung eines grenzenlosen operationalen Projekts: alles soll real, alles soll sichtbar und transparent werden, alles soll befreit werden, alles soll Erfüllung finden und einen Sinn haben (nun besteht das Eigentümliche der Bedeutung jedoch darin, dass nicht alles eine Bedeutung hat.Es soll nicht mehr geben von dem sich nichts sagen ließe.“**

Folgt man Baudrillards Ausführungen, gab es eine Zeit in der Glauben, Idee und Vorstellung klar getrennt waren von der materialistischen, physischen Welt. Natürlich haben einige Ideen, einige Utopien, einige Erfindungen diese Grenze überschritten und wurden „wirklich“, aber in diesem Moment war es offensichtlich, dass sie ihren Status geändert hatten: Aus dem Reich der Vorstellung in den Bereich der Realität. In seinem Buch attestierte Baudrillard bereits 2004 das Ende dieses alten, ausgewogenen Dualismus zwischen der Imagination und der Realität, denn die Dominanz der Realität werde in unserer aktuellen Gesellschaft stark forciert. Das zeigt Baudrillard an vielen Entwicklungen auf, unter anderem an der weltweiten exponentiellen Zunahme der industriellen Produktion, der Dienstleistungen, der Datenmengen, der Massenmedien und nicht zuletzt der code-basierten Virtualität in unseren Leben, welche aber mannigfaltige Wirkungen auf die physikalische Welt zeitigt. Die steigende Produktion von Realität entfaltet Wirkung:
1. es gibt immer mehr und immer weniger was es nicht gäbe.
2. die Grenzen der Zustände lösen sich auf. Eine Idee, ein Ding, ein Prozess kann in seinen Auswirkungen heutzutage in vielfachen „Qualitäten“ in Erscheinung treten: als Bild, als Film, als Programm, als Gegenstand, als maschineller Prozess, als Sperrung der Geldkarte, als der passive Kollaps eines Bankhauses oder auch immer noch als Traum.
3. Die Vernetzung der Prozesse nimmt zu und führt zu unkontrollierbaren Großsystemen.

Hier gründen sich die heute grundsätzliche Frage nach der Repräsentanz, und damit die Krise des Bildes, also was ist real und was ist nur Abbild? Was ist generiert und manipuliert und was ist Dokumentation? Der Begriff der „Wahrheit“ löst sich auf. Außerdem stellt sich die Frage nach der Erzeugung von Realität. Basiert „Realität“ auf digitaler Operation oder physikalischer Materie? Ist nicht alles eine umfassende Produktion? Was ist real, wenn alles real ist? Die Differenzierung greift ins Leere, der Begriff verliert seinen Sinn. Als drittes wird die Kausalität in Frage gestellt, wenn wir nicht mehr entscheiden können was real ist, noch wie die Dinge mit einander vernetzt sind; wie wollen wir da noch rational handeln? Die Auswirkungen dieser Entwicklungen treten in zahlreichen Erscheinungsformen unter uns: hier seien nur die Phänomene des Hochfrequenzfinanzhandels genannt, dessen Kollaps Volksgemeinschaften in den augenblicklichen Bankrott führt oder das Töten am Screen mithilfe des Joysticks einer bewaffneten Drohne. Zusammengefasst läge das nach Baudrillard am großen Bedürfnis unserer Gesellschaft mehr und mehr „Realität“ zu produzieren, egal in welchem Medium, in welcher Größe, in welcher Materialität. Dieses Bedürfnis wird generiert durch die Gegebenheiten eines globalen Kapitalismus. Baudrillard nennt diesen alarmierenden sozialen Sog also „Integrale Realität“ und er lässt keinen Zweifel daran, dass dieses Phänomen eine große Wirkung auf uns haben wird.

Diese Entwicklung kann nicht an der künstlerischen Produktion unserer Tage vorbeigehen, auch wenn viele etablierte Institutionen der Kunstwelt es sich sicherlich wünschen. Halten wir zwei Erscheinungen dieser „Dynamik“ im Hinblick auf die Auswahl der Künstler und Werke in dieser Ausstellung fest.
1. Die expandierende Realität – die „Integrale Realität“, eine Form von Hyperrealität führt zum Kollaps der Kategorie Realität. Die Unterscheidung von Fiktion und Realität wird obsolet, alles wird vorhanden sein in allen „Ausgabeformen“. Aktuelle Kunstwerke sind Beispiele, ja Vorreiter der expandierenden „Realisierung“, indem sie virtuelle Erscheinungen durch den Beweis Ihrer Materialisierung „ausführen“ und damit auch physikalisch im Material „wahrmachen“. Sie sind die Manifestationen ausgefallener virtueller und synthetischer Visionen.
2. In der Ausbreitung der „Integralen Realität“ entstehen unauflösliche Mischformen aus verschiedenen Medien, Konditionen und formalen Ausprägungen. Das heißt die Dinge existieren multimedial und manifestieren sich fließend in unterschiedlichen Erscheinungsformen. So wird es immer schwieriger Grenzen zu ziehen und die Abläufe und Dinge verfügbar und unter Kontrolle zu halten. In vielen heutigen Arbeiten ist diese hybride Wesenhaftigkeit bereits deutlich angelegt. Auf Basis des oben Genannten führt »For Jean B.« in den laborartigen Räumen der Studiogalerie des Hauses am Lützowplatz einige Positionen in reduzierter Auswahl zusammen. Diese Werke greifen – bis auf eine prägnante Gegenposition – die Prinzipien der „Integralen Realität“ scheinbar wie selbstverständlich auf. Es sind Werke, die bereits in der Produktion und in der Präproduktion zur nächsten Ausstellung ohne große Widerstände zwischen den Medien und den Zuständen fluktuieren. Gerade noch Idee sind sie jetzt schon Zahlencodes, welche durch die Medien wandern, nur um sich hier und da als einzelnes Bild, als eine Operation, als eine Reihe bewegter Bilder oder als Objekt zu manifestieren. Ihr Quellcode ist immateriell und bleibt flexibel. In allen diesen Formen sind sie nach Baudrillard bereits „realisiert“ und überschwemmen uns in der enormen Diffusität ihres Facettenreichtums und Ihrer Anpassungsfähigkeit.

Angesichts der Zusammenhänge zwischen den ausgestellten Arbeiten und dem zugrundeliegenden theoretischen Rahmen, bleibt es wichtig festzuhalten, dass sich diese Ausstellung mit den Thesen Baudrillards auseinandersetzt indem sie künstlerische „Belege“ für sein zentrales Paradigma einer „Integralen Realität“ heranzieht. In diesem Sinne ist die Ausstellung also wortwörtlich »For Jean B.«. Die gezeigten Werke sind Zeugnisse der „Integralen Realität“, welche Baudrillard allerdings explizit als negative und gefährliche Entwicklung einstuft. Insofern stützt die Selektion seine späte Ontologie, aber indem sie etwas zeigt, dass er nicht gut heißt, nämlich die Zersetzung der Realität. Durch diese Qualität macht sich die Selektion gleichzeitig zum Komplizen der kritisierten Entwicklung. Die Arbeiten sind Vorreiter einer „Integralen Realität“. Sie belegen die Entwicklung, im besten Fall inszenieren sie den Test oder den Störfall. Das geschieht meist subversiv im Rahmen typischer Ausprägungen wie codebasierte Bilder, programmierte Prozesse, maschinelle Produktionen und mediale Grenzüberschreitung. Oder die Arbeiten lassen die digitalen Prozesse an der Grenze zum physischen Material scheitern, bzw. setzen diese Grenze explizit in den Fokus. Während in den neunziger Jahren eine kritische Netzkunst in Berlin um die Gruppen „Bionic“ und „The Thing“ und in Karlsruhe um das ZKM die Möglichkeiten eines kollektiv-libertären digitalen Raumes auch politisch erprobte, sind aktuelle vom Markt hofierten Tendenzen, wie z.B. die Postinternet-Generation, eher durch eine rauschhafte Aneignung und Verwertung aller Potenziale der digitalen Expansion besetzt. Nicht die Schnittstelle und die Grenzen der Kategorien wie privat / öffentlich, frei / kontrolliert oder real / virtuell sind entscheidend, sondern die Lust an der bedenkenlosen Genese, an der grenzenlosen „Realisierung“ und Überwindung aller Kategorien. Klares Ziel ist außerdem die finanzielle Partizipation am globalen Kunstmarkt, sogar die Vertretung eigener ästhetischer Produkte durch eine Galerie wird forciert, eine Idee aus analogen Zeiten.

»For Jean B.« lässt sich nur als begrenzter Ausschnitt der aktuellen Situation verstehen. Die künstlerische Dekonstruktion der „Integralen Realität“ findet ansatzweise statt, nicht zuletzt durch eine reflektierte Bewusstmachung ihrer Wirkungsmechanismen auch anhand aktueller künstlerischer Positionen. Kritik manifestiert sich zum Teil in diversen Strategien, aber der Gegenentwurf, die „echte“ Alternative zu der von Baudrillard aufgezeigten Entwicklung ist nicht in Sicht; weder in der Kultur, in der Politik und auch nur „schwammig“ im Buch selbst. Die globale Gesellschaft zeigt sich unaufgeklärt, motivationslos und überfordert. Der Titel »For Jean B.« ist auch eine Respektsbekundung für die späte Gedankenwelt des am 6. März 2007 verstorbenen Jean Baudrillards, welche trotz aller angeblich fehlender wissenschaftlicher Gründlichkeit und polemischer Vereinfachung, in ihrer Radikalität und Frische mehr im Autor dieser Zeilen ausgelöst hat, als vieles zuvor.

Jean Baudrillard „Die Intelligenz des Bösen“ , S. 16, Zeilen 4-9 (zweite Definition der „Intergralen Realität“), Passagen Verlag Wien, 1. Auflage 2007
** Jean Baudrillard „Die Intelligenz des Bösen“ , S. 13, Zeilen 1-7 (erste Definition der „Intergralen Realität“), Passagen Verlag Wien, 1. Auflage 2007

NACHSATZ

Vorausgesetzt seien zwei Definitionen:
1. „Real“ ist alles was sich materiell manifestiert.
2. „Real“ ist alles von dem sich etwas sagen lässt.

Legt man der Ontologie Baudrillards eine Fusion beider Definition zugrunde (was seine zwei Definitionen nahelegen), entsteht ein Drittes durch Ausschluss: Nicht real ist was noch nicht oder nicht mehr materialisiert ist und von dem sich nichts sagen lässt. Es ist der Bereich des unbewusst Möglichen (dräuend ließe sich sagen das „Dunkle Potenzial“). In diesen Raum hinein breitet sich die Realität aus, aber sie zieht sich auch wieder aus diesem zurück. Aber es ist unmöglich zu sagen wie „umfangreich“ dieser negativ-potenzielle Raum des unbewusst Möglichen ist und ob er von der Realität je gefüllt werden kann. Insofern wird die Realität ihren Kontrapart behalten. Sie mag vielleicht unkontrollierbar komplex werden und sich allumfassend anfühlen, aber sie bleibt als Begriff oder gar „Glaubensmaxime“ konsistent.

»For Jean B.«
Jon Satrom, Silke Briel, BURGHARD, Frank Eickhoff, Brenna Murphy, Jaakko Pallasvou und Sinta Werner
Kuratiert von Stephan Köhler

20.06. – 17.08.2014
Die – Son 11.00 -18.00 Uhr
Haus am Lützowplatz | Fördererkreis Kulturzentrum Berlin e.V.
Lützowplatz 9 | 10785 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 261 38 05 | Fax: +49 (0)30 – 264 47 13 | Internet: www.hal-berlin.de | E-Mail: office@hal-berlin.de

……………………………………………………….please scroll down for the english version…………………………………………..

“To perform, to materialise, to realise, to produce: it appears as if this is the ideal purpose of every single thing, following a movement determined by progress and a inner necessity, passing from a state of the possible to that of the real.”*

This exhibition intends to reveal the possible connections between J. Baudrillard’s arguments in ‘The Intelligence of Evil’ and phenomena and tendencies in contemporary art. In his late work, published by Passagen Verlag, Vienna, Baudrillard introduces a new status for anthropological development. He calls this state ‘Integral Reality’. In addition to the quote at the beginning of this text, he specifies ‘integral reality’ for a second time:

“By ‘integral reality’ I am referring to the implementation of a borderless operative project targeted at the world: everything should be real, everything should be visible and transparent, everything should be freed, everything should be fulfilled and have a purpose (however the idiosyncrasy of meaning is that not everything has a meaning).
There should be no more of that which has nothing to say.”**

If one follows Baudrillard’s model, there was a time in which belief, idea and imagination were clearly separated from the material, physical world. Naturally certain ideas, certain Utopias, certain inventions have transgressed this boundary and became ‘reality’, but in this moment it was clear that they had changed their state: from the realm of imagination into the realm of reality. In his book Baudrillard attests as early as 2004 the end of this old, balanced dualism between imagination and reality, because the dominance of reality is strongly promoted in our current society. Baudrillard shows this in many developments, including the worldwide exponential growth in industrial production, service industries, data volume, mass media and not least the code based virtuality in our lives, which leads to manifold effects on the physical world. The increasing production of reality has consequences.
1. There is always more and increasingly less of that which never existed.
2. The boundaries of states dissolve. Today the outcome of an idea, a thing, a process can take the form of numerous ‘qualities’: as a picture, as a film, as a program, as an object, as a mechanical process, as the blocking of a credit card, as the passive collapse of a bank but also still as a dream.
3. The interconnectivity of the processes increases and leads to uncontrollable, hypercomplex systems.
Upon this premise lies the current fundamental question concerning representation and thus the crisis of the image, what is real and what is a simulation? What is generated and multiplied and what is documentation? The term ‘truth’ unravels. Furthermore, the question of the production of reality arises. Is reality based on ‘digital operation’ or physical material? Is everything not an all-embracing production? What is real if everything is real? The differentiation grasps at thin air, the term loses its meaning. Thirdly, the question of causality arises when we can no longer decide what is real, or how things are linked to each other; how do we intend to act rationally? The implications of these developments manifest themselves amongst us in a multitude of ways; examples include the phenomena of high frequency financial trading, whose collapse bankrupts entire communities in the blink of an eye, or on screen killing assisted by a joystick and an armed drone.
To summarise, according to Baudrillard, the greatest need of our society is to produce more and more ‘reality’, regardless which medium, which size and which material. These desires are generated through the conditions of global capitalism. Baudrillard calls this alarming social undertow ‘integral reality’; he leaves no room for doubt that this phenomenon will have a major impact on us.
This development cannot leave the production of art in our time untouched, even when many established institutions in the art world wish it would. We will bear two manifestations of this ‘dynamic’ in mind with regards to the selection of artists and works in this exhibition.
1. The expanded reality – the ‘integral reality’, a form of hyperreality leads to a collapse of reality as a category. The division of fiction and reality becomes obsolete; everything will be available in all ‘forms’. Current works of art are examples, indeed forerunners of expanding ‘realisation’, because they produce virtual phenomenon through the demonstration of their materialisation and thus fulfil the physical in the material. They are the manifestations of uncommon virtual and synthetic visions.
2. Through the dispersion of ‘integral reality’ arise irresolvable hybrids from various media, conditions and formal characteristics. This means that things exist multimedially and manifest themselves fluxionaly in different ways. It becomes increasingly difficult to draw boundaries and to keep processes and things accessible and under control. This hybrid essentiality is in many of todays art works already clearly applied.
Based upon the above, »For Jean B.« brings together a selection of positions in the laboratory–like rooms of the Studiogalerie in the ‘Haus am Lützowplatz’. These works – with the exception of one incisive contra-point – take on the principles of ‘integral reality’ as if seemingly self-evident. There are works, which already in production and pre-production for the next exhibition oscillate without resistance between media and states. Still just an idea they are already numerical codes, which transverse through media only to manifest themselves here and there as a single image, as an operation, as a series of moving images or as an object. Their source code is immaterial and remains flexible. According to Baudrillard they are already ‘realised’ in all these forms and inundate us in the enormous diffusivity of their facets and their adaptiveness.

In the light of the connection between the exhibited works and the underlying theoretical framework, it remains important to point out that this exhibition addresses the Baudrillard’s theses by using artistic evidences for his central paradigm of an ‘integral reality’. Thereby the exhibition is indeed literally »For Jean B.«. The presented works are testimonials of an ‘integral reality’, which Baudrillard in fact explicitly classified as a negative and dangerous development. In this respect the selection supports his late ontology by showing something that is not good, namely the corrosion of reality. Through this quality the selection becomes at the same time an accomplice of this criticised development. The works are forerunners of an ‘integral reality’. They substantiate the development; in the best instance they initiate the test or the malfunction. That takes place mostly subversively in the context of typical forms, such as code based paintings, programmed processes, mechanical production and crossing of medial parameters. Or the works let the digital process fail at the boundary to the physically material, or rather they place these boundaries explicitly in focus.

Although during the nineties a critical Internet art in Berlin based around the groups ‘Bionic’ and ‘The Thing’ and ‘ZKM’ in Karlsruhe politically tested the possibilities of a collective-libertarian digital space, current market led tendencies, such as the Post Internet-Generation, are occupied with an intoxicated appropriation and utilization of the potential of digital expansion. It is not interface and the limits of categories such as private / public, free / controlled or real / virtual which are decisive; instead it is the desire for unscrupulous genesis, a boundless ‘realization’ and overcoming all categories. The clear objective is also financial participation in the global art market, even the representation of their aesthetic products by a gallery is strived for – an idea from analogue times.

»For Jean B.« can only be understood as a limited analysis of the current situation. An artistic deconstruction of ‘integral reality’ takes place to some extent, not least by making one conscious of its mechanisms through means of artistic positions. Critic manifests itself partly in diverse strategies, but the opposite, the ‘real’ alternative to that depicted by Baudrillard is not in sight; neither in culture nor politics and only ‘hazily’ in the book itself. Global society appears unenlightened, without motivation and overwhelmed. The title »For Jean B.« is also a mark of respect for the late thoughts of the deceased Jean Baudrillard, which despite an apparent lack in scientific thoroughness and a polemic oversimplification, in there radicalness and vigour they have inspired the author of this text more than much that came before.

* Jean Baudrillard „Die Intelligenz des Bösen“, page 16, lines 4-9 (second definition of „Integrale Reality“), Passagen Verlag Wien, first edition 2007
** Jean Baudrillard „Die Intelligenz des Bösen“, page 13, lines 1-7 (first definition of „Intergrale Reality“), Passagen Verlag Wien, first edition 2007

POSTSCRIPT

Two definitions are prerequisites:
1. ‘Real’ is everything, which manifests itself materially.
2. ‘Real’ is everything of which something can be said.

If one takes the fusion of both definitions as the basis for Baudrillard’s ontology (which his two definitions suggest), there arises a third by elimination: Not real is that which is not or is no longer materialised and of which nothing can be said. It is the realm of the unconscious possible (more threateningly it could be called the ‘dark potential’). Into this space reality expands itself, but it also retreats from there. But it is impossible to say how ‘large’ this negative potential space of unconscious possibility is and if it can ever be filled by reality. In this respect reality will keep its counterpart. It may become uncontrollably complex and seemingly all embracing, but it remains consistent as a concept or even a ‘maxim of belief’.

»For Jean B.«
Jon Satrom, Silke Briel, BURGHARD, Frank Eickhoff, Brenna Murphy, Jaakko Pallasvou und Sinta Werner
curated by Stephan Koehler

20 Jun – 17 Aug 2014
Tue – Sun 11.00 am – 6.00 pm
Haus am Lützowplatz | Fördererkreis Kulturzentrum Berlin e.V.
Lützowplatz 9 | 10785 Berlin
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